Diakoniepraktikum Bad Kreuznach – 13.08.2012 bis 15.08.2012

Geschichte, Unterwegs

Bad Kreuznach calling

Diakoniepraktikum Bad Kreunach 2012


Ankunft und Einrichtung

Am 13.08 war es wieder soweit das traditionelle Diakoniepraktikum in Bad Kreuznach durchzuführen. Was man dafür braucht sind natürlich neben einer Hand voll Konfirmanden, wir waren insgesamt 30 an der Zahl, auch Zugtickets. Also auf an den Bahnhof – und schon ging es nach Bad Kreuznach. Natürlich musste ich mir vorher noch die Zeit kaufen – damit ich wenigstens ein wenig intellektuell wirke.  Nach einer recht kurzen Fahr hatten wir dann auch schon unser Ziel erreicht – einen maroden und baufälligen Bahnhof. Also erst mal über zwei Holzüberführungen zum Bahnhofsvorplatz. Zu meinem Bedauern hatte natürlich auch die Bahnhofschenke dicht gemacht.

Und vor dem Bahnhof erreichte uns schon das nächste Problem. Viel Gepäck, viele Konfirmanden und natürlich der berühmt berüchtigte Berg lagen zwischen uns und der Jugendherberge. Und als wir uns großzügig und gnädig erweisen wollten, indem wir ein paar Taxis zu bestellen, machte uns die Inkompetenz der Taxifahrer natürlich ein Strich durch die Rechnung. Nun gut, es gab zum Glück ja auch noch Busse.
 Aber vorher machte ich mich mit zwei meiner Mitarbeiterfreunde auf dem Weg in den Supermarkt – um die Vorbereitungen für den gemütlichen Abend zu treffen. An der Käsetheke kristallisierte sich dann jedoch auch mein Unvermögen heraus – ich überließ die Wahl der Käsesorten eine Französin die unmittelbar neben mir stand, und der netten Frau hinter der Käsetheke. Als die Diskussionen über den besseren Brie dann jedoch ausarteten, und wir nur ein Zeitfenster von 15 Minuten zur Verfügung hatten, entschloss ich mich die nette Dame aus Frankreich ihres Amtes zu entheben, und mir einfach eine Tüte Käse mitzunehmen. Ich weiß – wahnsinnig spektakulär, von Käse und Franzosen.
Wir schafften es natürlich dann rechtzeitig zum Bus. Also wirklich. Alsbald wir dann auch in der Jugendherberge ankamen, ging es dann wie gewöhnlich zum Abendessen. Nachdem wir dann unsere  Bettdeckenmatratzenüberzugskontrollgänge gemacht haben traf man sich im Tagungsraum und besprach den Ablauf für die nächsten Tage. Die Konfirmanden freuten sich natürlich über die Ankündigung den berühmt berüchtigten Berg hinabzusteigen um die Kreuznacher Diakonie, das eigentliche Ziel des Ganzen, besuchen zu können. 
Um den Lehrgehalt dieses Beitrages ein wenig aufzuwerten sehe ich es als meine Pflicht die Geschichte hinter der Diakonie ein wenig anzureißen und ein paar Eckdaten zu nennen.

Die Geschichte der Diakonie

Die Gleise erinnern heute an die Deporation
von Behinderten aus der Kreuznacher Diakonie

Schon in der Apostelgeschichte wurden sogenannte Almosenpfleger erwähnt, die sich innerhalb der Gemeinde um die Sozialarbeit in jeglicher Hinsicht innerhalb der Gemeinde kümmerten. Abzuleiten ist das Wort „Diakonie“ aus dem griechischen, was so viel wie „Dienst“ bedeutet. Im 19. Jahrhundert lebte der Begriff der Diakonie neu auf – durch die zahlreichen Kriege und die große Anzahl gefallener Soldaten kam es innerhalb der Bevölkerung zu einem Frauenüberschuss. Da zur damaligen Zeit Frauen recht benachteiligt waren, und kaum Aussichten auf eine Chance in der Gesellschaft hatten, machte es sich Theodor Fliedner zur Aufgabe diesen Frauen eine Aufgabe in der Gesellschaft  zu geben.  Die neu gegründete Diakonissenschaft kümmerte sich um all die sozialen Probleme, die innerhalb der Bevölkerung auftreten – insbesondere nach dem Krieg.

Andere folgten Fliedners Pionierarbeit auf diesem Gebiet und richteten ähnliche Einrichtungen ein. Friedrich von Bodelschwingh kümmerte sich um Epileptiker, Johan Hinrich um verwahrloste Jungen und Adolph Kolping um Handwerksburschen. Diakonische Arbeit ist also vielseitig. In Bad Sobernheim vereinte Hugo Reich viele Bereiche der Diakonie, indem er dort 1889 das 2. Diakonissenmutterhaus errichtete und somit auch den Grundstein für die Kreuznacher Diakonie legte.
Nachdem wir den Konfirmanden abends also einen kleinen Überblick über die Diakonie gaben, waren diese für den nächsten Tag natürlich gerüstet und vorbereitet. Direkt nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Kreuznacher Diakonie. Ihr Gelände hat man sich wie ein kleines Stadtviertel vorzustellen, in dem es so ziemlich alles gibt, was die Diakonie brauch – ein eigenes Kraftwerk inklusive. 

Kreuznacher Diakonie heute – Ein Rundgang

Das Mutterhaus

Wir machten den klassischen Rundgang, der bei Diakoniekirche begann. Man erkannte sofort die Anpassung an behinderte Menschen – es gab Rampen und Schiebtüren soweit das Auge reichte. Vor der Kirche erinnerte aber auch ein Mahnmal die NS-Vergangenheit und an das NS-Regime in Deutschland, unter dem viele Behinderte deportiert wurden und letztlich auch getötet wurden. Weiter ging es mit dem Mutterhaus, das zu gleich auch noch als Feierabendhaus dient. Das Feierabendhaus kümmert sich um die verbliebenen Diakonissen, die ihren Dienst abgeleistet haben und nun ihren „Feierabend“ auf Lebenszeit feiern.

Die Diakoniekirche in Bad Kreuznach

Man muss wissen, der Beruf der Diakonisse stirbt aus – gerade weil man nur Verpflegung, Unterkunft und ein geringes Taschengeld erhält. Um die Diakonie jedoch weiter unterhalten zu können, nehmen heute Diakone und Diakoninnen diese Aufgaben wahr und werden dafür auch bezahlt.
Jedenfalls ging es dann weiter mit unserer Tour. Neben dem Diakoniekrankenhaus und seiner Kapelle sahen wir unter anderem noch den Kindergarten, die Schule, die Behindertenwerkstätten, und verschiedene andere Einrichtungen. 

Fußmarsch nach Bad Münster

Die Ebernburg

Schließlich stand wieder die Rückreise zur Jugendherberge an, wo wir uns nach dem Mittagessen schon für unsere nächste Etappe rüsteten – die Wanderung über den Rheingrafenstein nach Bad Münster am Stein-Ebernburg. Vom Rheingrafenstein genoss man eine tolle Aussicht bei nahezu wolkenlosem Himmel , von dem man die gegenüberliegende Ebernburg und den Rotenfels erkennen konnte– die paar Kilometer die hinter uns lagen hatten sich also schon gelohnt.   

Aber es ging natürlich weiter. Nachdem wir unsere Fähre über die Nahe organsiert hatten, besuchten wir Bad Münster, sein Kurhaus und eine Gaststätte, in der wir unseren Durst löschten. Anschließend gab es noch ein Eis. Als wir dann wieder alle Konfirmanden eingesammelt hatten ging es zurück nach Kreuznach, vorbei an den Salinen und Gradierwerken.

Aussicht vom Rheingrafenstein über Bad Münster

 Das Kurhaus in Bad Münster

In Bad Kreuznach waren wir schließlich dann doch noch human genug gewesen um uns allen einen Bus zur Jugendherberge zu können. Und schon gab es wieder Abendessen. Im Anschluss folgte dann verschiedene Spiele, um die Jungen und Mädchen müde zu machen. Genützt hat das leider alles nichts, wie wir bei der Gestaltung unseres gemütlichen Abends merkten. 

 

 

  Rückreise

Und am nächsten Morgen war dann alles schon wieder so gut wie vorbei. Nach dem Frühstück und der Reinigung der, mittlerweile nach Buttersäure riechenden, Zimmern gingen wir noch ein Rollenspiel an. Jede Gruppe bekam eine Behinderung zugeteilt und musste sich überlegen, wie man sich das Leben leichter gestalten kann. Und viele gute Beiträge sorgten für mehr Verständnis bei den Konfirmanden in Bezug auf Behinderte.
Dann rief die Zeit der Abreise. Also nahmen wir unser Gepäck in die Hand und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Also der Bus brachte uns da natürlich hin. Wie liefen natürlich zu Fuß. Wie gewohnt durch den maroden Bahnhof in den Zug und nach Hause. 

Fazit:

Ich habe schon aufgehört zu zählen wie viele Male ich nun schon in Bad Kreuznach war. Aber bis jetzt hat es sich immer gelohnt. Gerade auch um daran erinnert zu werden, dass es nicht nur uns gibt, sondern auch noch Menschen, die nicht das Glück haben ohne Einschränkungen ihr Leben zu bestreiten. Und dass es zum Glück Menschen gibt, die diesen helfen.
Nebenbei ist die Aussicht vom rheingrafenstein einfach toll, und auch Bad Kreuznach ist an sich ein schöner Fleck Erde. Man kann nicht oft genug nach Kreuznach fahren.

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