"Alles klar bei dir? Wie läufts so in Irland?"

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 Der Zwischenbericht für Januar bis März

Ganz gut, danke der Nachfrage. Zugegeben, die Frage wurde mir in der letzten Zeit des öfteren gestellt. Ich bin mittlerweile auch immerhin schon wieder 3 Monate auf der grünen Insel, und habe hier recht wenig von mir hören lassen. Für dieses Jahr eigentlich noch gar nichts. Es wird mal wieder Zeit die Menschheit über meinen Status zu informieren. Es ist immerhin viel passiert in den letzten Wochen. Ich werde sie mal versuchen zu resümieren – so gut wie es geht.

Die Rückkehr und ihre Gründe

Im Janauar kehrte ich also nach Irland zurück – ich muss gestehen Irland vor ein paar Monaten zu verlassen fiel mir das alles andere als leicht – gleiches galt nun für Deutschland. Doch die Gründe waren vielfältig, und ich wollte nicht alles aufgeben, was ich mir dann nun doch in einem fremden Land aus dem Nichts erarbeitet hatte – das hätte wahrlich niemand gewollt. Ich erinnere mich gerne daran, wenn ich manch jemanden von diesem Plan, ein Jahr lang tausend Kilometer entfernt von der Heimat zu leben, erzählte. Die Prognosen von manchem sahen vor, dass ich wahrscheinlich am Existenzminimum leben würde, und ich nach ein paar Wochen wahrscheinlich sowieso wieder kehrt machen werde. Beides traf dann auch zu – die erste Zeit war hart, aber es hatte sich gelohnt sie durchzumachen. Und ich machte dann auch nach wenigen Wochen kehrt, allerdings aus ganz anderen Gründen, die ich zu dem Zeitpunkt noch in weiter Ferne sah.

Zurück im Alltag – Und am Telefon

Sei es wie es – im Janaur war ich dann, wie schon des öfteren erwähnt, wieder hier – in Dublin. Dem Ort an dem die Mieten horent und die Herzen der Menschen vom kalten Schlammbier erwärmt werden. Die zweihundert Euro die nach der Miete noch übrig bleiben sollen ja schließlich wohl investiert sein. Ich nahm dann auch wieder meine Arbeit als Telefonknecht bei HP auf. Tägliche Anrufe von Kunden, die meist mehr Ahnung von Informationstechnik hatten als ich selbst. Manch einer war anstrengend, manch einer angnehm und manch einer war sogar blind. Ja ich hatte wirklich einen blinden am Telefon – und ja ich begann den Satz trotz allem mit „Dann schauen wir mal…“. Wenn man im ständigen Kontakt mit Menschen steht, die man nicht sieht, wird man schnell gegen alles mögliche abgehärtet. Man genoss die Vorzüge des Mute Buttons, der gratis Kaffee-Maschine und vor allem den des Wochenendes.

Man kann sich ungefähr vorstellen, dass das Ganze zwar eine Möglichkeit bot Geld zu verdienen, aber noch lange keine Entfaltung meiner persönlichen Fähigkeiten zuließ, wie man es heutezutage so schön formuliert. Ich gebe zu, ich mag diese semi-philosophischen Floskeln ebenso wenig, doch hier war die Möglichkeit zu verlockend. Wie auch immer – die Menschen in diesem Call-Center ähnlichen Gefüge waren zwar alle nett, und ich hatte auch durchaus tolle Kollegen in meinem deutschen Team, doch die Rahmenbedingungen waren dann doch recht unangehm. Um fünf Uhr klingelte der Wecker, dann ging es um kurz vor sechs mit dem Bus durch Dublin und um 7 war man schließlich am Zielort, wo man sich dann schon wieder gleich um allerlei Drucker-, Benutzerkonten- und Sozialprobleme kümmern musste. Und das Verwenden von Floskeln im Sinne der „Call-Quality“ schrieb man auch ganz groß. Ich tat das alles dann ein paar Wochen und ich dachte mir es könnte deutlich schlimmer sein. Aber letzlich könnte es auch deutlich besser sein, und letztlich war die Intention meines Irland-Aufenthaltes auch nicht mich acht Stunden täglich mit deutschen Kunden rumzuschlagen.

Neue Perspektiven – Die Spieleindustrie

Mit diesem Gedankenkonstrukt im Kopf stieß ich dann auf eine Möglichkeit, die ich schon für gänzlich vergessen hielt. Anfangs scherzte ich noch, ich könnte meinen Lebensunterhalt doch als Games-Tester verdienen. Und dann war da dieses Inserat „German Localisation Tester“. Und darunter stand dann Activision. Und darunter stand wiederum Dublin. Ich zögerte nicht lange, warf Photoshop und Word an, und kreierte einen ordentlichen Curriculum Vitae. Und da kam schon  gleich eine E-Mail zum Bewerbungsgespräch – ich lernte auf dem Weg zu meinem Termin in den Silicon Docks in Dublin dann noch allerhand Gaming-Vokabeln. Außerdem verlief ich mich dann noch im Hafen von Irlands Hauptstadt. Auf einmal wurde der Gehweg immer kleiner und die LKWs immer größer.

Ich kam dann glücklicherweise doch noch an meinem Ziel an, und schlug mich recht gut. Ich rechnete zwar nicht wirklich damit, dass ich Erfolg haben würde, zumal darauf dann noch eine schmerzliche Woche des Wartens folgte, in der die Hoffnung von Tag zu Tag schwand. Doch dann, als ich gerade schon wieder dachte, ich muss mich weiterhin mit Kaffe und künstlicher Freundlichkeit am Telefon durchschlagen bekam ich die Zusage per E-Mail. Ich wollte Luftsprünge machen, und ich hätte es auch getan, wäre ich nicht im Bus gewesen.

Das Leben als Games Tester

Nun konnte ich mich doch tatsächlich Spiele Tester nennen, und das nicht bei irgendetwas wie Chess Online – nein sogar bei Activision. Einem der ältesten Publisher, die dieser Planet so zu bieten hatte. Ich quittierte dann meine Tätigkeit als Anrufbeantworter über den ein oder anderen Umweg. Irgendwie hatte man doch ein mulmiges Gefühl altvertrautes aufzugeben und blindlings in etwas neues zu springen. Doch eigentlich war es auch genau das was ich daran so mochte – die Veränderung, die Unstetigkeit.

Nun – wie ist das so wenn man den ganzen Tag Spiele testet? Es ist genauso wie es sich anhört. Überall sitzen Menschen vor ihren Bildschirmen und spielen den ganzen Tag. Um halb neun aufstehen, ein Kaffevollautomat und ein Berg jeglicher Konsolen auf dem eigenen Schreibtisch sind dann wohl wiederum die Vorzüge meiner jetzigen Tätigkeit. Und ich muss ehrlich gestehen – diesmal kann es kaum besser kommen. Überall offene und tolle Menschen die eine Atmosphäre schaffen, die man sonst nur aus Filmen kennt. Der Gedanke mit seinen Kollegen, die ganz schnell zu Freunden werden, an einem Projekt zu arbeiten ist einfach unvergleichbar mit der Motivation einen Anruf anzunehmen, in dem man jemanden erklären muss, dass man mit dem Power-Knopf am Bildschirm keinen PC neustartet.

Wie man Job und soziale Interaktion vereint

Das ist wahrlich das schwierigste im Moment. Wenn man fünf Tage die Woche ca. zehn Stunden unterwegs ist, bleiben einem zunächst mal nur die Kollegen. Zu HP-Zeiten war das dann alles doch immer recht begrenzt. Man hielt sich den ein oder anderen Smalltalk, hörte mal einen minder guten Witz oder ähnliches. Wenn man Pech hatte hing man auch mal nur am Telefon, oder die Kollegen litten heute schlicht unter ihrem chronischen Schlafentzug.

Bei Activision ist das dann doch schon um einiges entspannter. Man unterhält sich über ganz andere Dinge, findet schnell einen gemeinsamen Nenner und am Schluss findet man sich sogar in einer konstruktiven und differenzierten Diskussion über europäische Außenpolitik wieder. Das Klischee vom sich nicht waschenden Gamer der Tageslicht und Menschen meidet kann ich dem Fall einfach nur wiederlegen – weil ich es einfach kann.

Neben der Arbeit bleibt einem dann meist nur noch das Wochenende. Das Internationale Flair der Stadt zieht auch zu Hauf Durchreisende an, und wenn man dann am Freitag- oder Samstagabend durch Dublin zieht, kann es schnell passieren dass man auf solche trifft. Das ist alles schön und gut, doch man kann sich eben aufgrund dieser Tatsache nur schwer einen Freundeskreis aufbauen, der sich hier vor Ort befindet – und nicht über die ganze Welt verstreut ist. So kommt es, dass ich Leute von Australien über Schweden bis Kanada kennegelernt habe, und im Rahmen einer Weltreise auch überall dort wohnen könnte. Umso seltener ist es allerdings dann Leute aus Dublin zu treffen, und man muss schon richtig Glück haben, wenn es sich dann auch noch um Iren handelt und nicht um freiwillige Exil-Europäer.

Das Initiativ- und Konstanzproblem

Als ich damals immer Sims3 gespielt habe konnte ich nie wirklich verstehen, weshalb man dort denn Freunde verlieren konnte. Dieser grüne Balken der den Grad der Beziehung beschrieb war mir oft ein Rätsel – primär wegen dem Rückgang zwischenmenschlicher Beziehungen, wenn man es so ausdrücken konnte. Ich muss dazu sagen, dass ich es von Deutschland nicht gewohnt war mich wirklich mit dieser Frage zu beschäftigen. Man hatte zu Schulzeiten seine Freunde, und man hat ziemlich oft was mit jemanden unternommen, sodass diese Frage gar nicht erst aufkam.

Doch hier in Dublin hab ich den Sinn des Ganzen nun verstanden. Soziale Interaktion ist harte Arbeit. Wenn man ein wenig Konstanz in Sachen Freundschaft erwarten will, muss man eigentlich immer selbst die Initiative ergreifen, zumal man noch vergleichsweise neu in der Stadt ist. Da kann es schnell mal passieren, dass man bei anderen in Vergessenheit gerät. Und wenn man dann noch aus beruflichen Gründen zeitlich doch recht eingeschränkt ist, verhält es sich mit der Initiative deutlich schwieriger.

Besuch aus der Heimat und Wiedervereiningung

Aufgrund der oben genannten Dinge ist man auch einfach unglaublich froh wenn man denn dann Besuch aus der Heimat bekommt. Den bekamen ich und mein Mitreisender dann auch im Februar. Es tat gut altvertraute Gesichter zu sehen. Und es war überaus angenehm, dass man den ganzen Kennenlernen Teil überspringen konnte, und seinen Freunden einfach nur zeigen konnte was man sich hier aufgebaut hatte – denn da kann ich mir mal selbst recht geben, wenn ich sage, dass wir darauf stolz sein können.

Es muss jedoch nicht immer Besuch sein. Vor zwei Wochen flog nämlich auch noch eine Truppe unserer deutschen Kumpanen an die Westküste Irlands. Wir beschlossen die Wiedervereinigung am Flughafen Kerry, dem kleinsten Flughafen der wahrscheinlich auf diesem Kontinent noch existiert. Ernsthaft, ich wäre beinahe daran vorbeigelaufen. Wir mieteten zwei Autos und fuhren dann für drei Tage die Westküste ab – für mehr war leider keine Zeit, denn bekanntermaßen rief die Arbeit. Aus der Stadt rauszukommen und etwas von diesem Land zu sehen tat allerdings außerordentlich gut. Ich vermisste die heulenden Sierenen und die verstopften Straßen kein bisschen während wir unsere Tour über die Killarney, die Dingle-Halbinsel und den Ring of Kerry fuhren.

Dabei kam es dann auch noch zu einem kleinerem Zwischenfall: An einer Steigung mussten wir aus Gründen mit unserem 50PS Opel Astra anhalten, weil wir auf der Suche nach einem in der Landschaft versteckten Steinfort waren. Leider entschloss sich unser Vehikel dann gegen eine Weiterfahrt, da ihm die Steigung doch schon ordentlich zusetzte. Es bedurfte dann einem kleinen Schub – es war nur noch wenig Platz zwischem dem Heck dieses deutschen Qualitätproduktes und der Felswand. Als dann das Auto hinfort fuhr setzte ich zum Sprint an diesem Berg an – der Duft des sich zersetzenden Getriebes lag zwar in der Luft, doch die Kombination von körperlicher Antrengungen und einer atemberaubenden Aussicht machten das alles wett. In diesem Moment öffnete sich in meinem Kopf eine Endorphinschranke, wie sie sich nur selten öffnete. Am Gipfel des Berges und zurück auf dem Boden der Realität bermerkte ich dann dass die Kombination aus atemberaubend, von Gertriebe verpesteter Luft und körperlicher Anstrengung nicht die beste ist – doch gelohnt hatte es sich alle mal.

Der Trip an die Westküste war wirklich mehr als gelungen, und er war auch wichtig. Ab und zu muss man einfach raus aus der Stadt. Und außerdem bin ich immer auf der Suche nach etwas neuen, und da bietet sich Reisen einfach als gutes Hobby an. Ich werde diesen Beitrag dann noch mit allerhand Bildern von dieser Reise füllen, denn wie bestimmt schon jeder weiß hat es mal wieder meine Festplatte inklusive aller Daten erwischt. Mal schauen ob ich noch was retten kann, aber bis dahin muss man sich leider mit den grandiosen Schnappschüssen von der Westküste Irlands zufrieden geben.

Ein kleiner Ausblick

Ich werde mal sehen was mich die nächsten Monate auf der Insel noch so erwartet. Wahrscheinlich werde ich noch ein wenig die Zeit bei Activision genießen und ein wenig Geld für den geplanten einmonatigen Selbstfindungsabschlusstrip durch Irland zusammensparen. Ich hab noch viele Ideen, die so in meinem Kopf herumschwirren, und ich werde natürlich versuche so viele wie möglich davon zu realisieren. Doch die Geduld ist des Jägers Tugend, wie wir alle wissen.

Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass ich dann hier noch weitere Beiträge wie diesen zu meiner Berg- und Talfahrt in Irland veröffentlichen werde – das sollte ab heute dann zumindest einmal im Monat geschehen.

In der Zwischenzeit bin ich jedoch keinesfalls untätig, ich nutze die folgenden Zeilen nun um schmalose Schleichwerbung zu unterbreiten. Aber ernsthaft – Beiträge in höherer Frequenz findet man wie gewohnt hier:

Auf meinem englischsprachigen Tumblr-Blog sowie bei der allseits bekannten Fotostube.

Ich bedanke mich natürlich wieder bei jedem, der all diesen Schrieb bis zum Ende ertragen hat – also wahrscheinlich wieder nur bei mir selbst. Hab ich gut gemacht! Danke, weiß ich. (Ich sollte wirklich aufhöre diese ganzen Monologe zu führen…)

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