Die niemals endende Geschichte – New Irish Tales

Blog, Irland, Reisen

Besuch über Besuch

Der Monat der ArbeitslosigkeitFreiberuflichen Tätigkeit war gleichzeitig auch der Monat des Besuches. In Scharen strömten Menschen in unser Domizil, genossen unsere Obdach und wir ihre Gesellschaft. Unser deutscher Außenposten mitten in Dublin wurde quasi zu einer Touristenattraktion für jeden der kommen wollte. Wir waren gütig und empfingen all unsere Kumpanen mit offenen Armen.
 

Die Besuchssaison wurde von meiner Familia eingeleitet. Es stand straffes Kulturprogramm auf dem Plan, wir besuchten jede Himmelsrichtung der Stadt und fuhren sogar über ihre Grenzen hinaus gen Wicklow Mountains und Powerscourt Gardens. Daneben standen unter anderem auch noch der Besuch der St. Patrick Cathedral, der Christ Church Cathedral,  des Trinity Colleges, des St. Stephen Green Parks, der Docklands, …, des Kilmainham Gaol und der botanischen Gärten. Die fünf Tage waren gut gefüllt. Die vier dazugehörigen Nächte waren entsprechen ebenso voll. Voller Bier, Musik und Nachtkultur wenn man das so sagen kann.
 
Nach einer Woche freiberuflichen Schaffens folgte dann der nächste Besuch. Frisch aus Stuttgart eingeflogen machten wir abermals ein paar Tage die Stadt unsicher, sahen bestimmt das ein oder andere der oben genannten Bauwerke. Während dieses Besuches passte sich der Bio-Rhythmus eher an die Nacht an – aus Gründen. Die Heineken Brauerei bekam ein ordentliches Sponsoring von uns und die Kisten stapelten sich zu einem Turm der seinesgleichen suchte – zumindest in Irland. Wir machten uns auf die Suche nach den Menschen und ihren Abgründen, als wir zu einem Ort gingen den man „Alchemie“ nannte. Es schien fast so, als ob der ein oder andere ein wenig zu viel mit Alchemie experimentierte, was sich an manchen Entstellten Gesichtszügen nicht leugnen ließ. Doch im Großen und Ganzen tat das der Sache keinen Abbruch, denn letztlich fanden wir den Grund für unseres dortiges Erscheinen – die triebhaften menschlichen Abgründe, die diese Welt bestimmen.
Eines Abends trieben wir uns auch in einem recht hübschem Garten herum, der einem „Dicey“ gehörte. Dicey war sehr gutmütig und bat uns Burger und Bier für jeweils 2,50 Euro an. Das sind fast deutsche Verhältnisse und das ließ einen dann doch schon ein wenig das Gefühl von Geborgenheit verspüren. Wir blieben dann so lange dort, dass wir später selbst die Tür abschließen mussten. Doch selbst danach fanden wir noch viele Freunde in den Straßen Dublins, sangen mit dem ein oder anderen Gitarristen, der sich noch in den Straßen herumtrieb, deutsche Volkslieder und verbreiteten insgesamt eine signifikant hohe Portion deutsche Kultur im Land der Schafe und Wiesen. Einer unserer Kameraden bekam nach eigenen Angaben sogar noch kristallisches Mett angeboten – eine neue irische Wurst-Spezialität. Die Leute hätten nicht freundlicher sein können, und auch dieser Tag voller Exploration und Abenteuer endete schließlich. Am nächsten Tag stand schließlich noch ein Fotoshooting am Strand an, bevor wir unsere Gäste wieder ins schwäbische Exil abziehen ließen.
 
Die nächsten Temporärexilanten ließen nicht lange auf sich warten. Mein Mitreisender gönnte sich ein Wochenende auf einer Hochzeit in Deutschland und brachte schon mal einen Besucher mit, der nun noch etwas hier verweilen wird. Am vergangenen Wochenende kam dann ein weiterer Schub deutscher Besatzer Freunde, die sich zuvor in Ryanair Flugzeuge pferchen ließen. Auch für sie gab es zunächst eine Einführung die örtlichen Gegebenheiten, wie etwa Sprache, Kultur, Bauwerke und Bierpreise. Es wurde die Shortcut-Universaltour über die O’Connell Street hindurch das Trinity College, über die Grafton Street in den St. Stephen’s Green mit Ziel in Temple Bar angeboten.
Auch mit dieser Gruppierung, nennen wir sie nachfolgend mal ganz prüde Freunde, erkundete ich abermals die Abgründe der Menschheit. Nun mit genügend Hintergrundwissend über den Ort namens „Alchemie“ war ich gerüstet meine Meinung in diversen Formen offen kund zu tun. Ich formulierte ein klares Statement und hinterließ bleibende Spuren. Meine Freunde blieben noch ein wenig dort, und wollten selbst zur Erkenntnis kommen. Wie auch immer – wir machten uns auch wieder gen Osten an den Strand, wo wir dann ausgiebig das Wetter und die Natur zelebrierten. Außerdem wurden wieder die obligatorisch unterbelichteten Fotos geschossen.
Doch auch der Besuch der vereinigten Naturfreunde endete und so kam es, dass man wieder in der üblichen Konstellation in seiner Wohnung sitzt. So langsam nähert sich die Existenz meiner Wenigkeit in Irlands Hauptstadt der Zielgeraden, und die Glocken, die zu meiner Rückkehr läuten sollen, werden langsam in Stellung gebracht.
 

Ausgiebige Stadterkundung

Wie schon gesagt nähert sich mein hiesiger Aufenthalt langsam aber sicher dem Ende, es sind nun noch 25 Tage die mich von dem Flieger in die Heimat trennen. Grund genug mal wieder wie in alten Tagen durch die Stadt zu streifen, bewaffnet mit der Kamera und meiner Neugier. Ich ging an einem ungewöhnlichen sonnigen Tag mal wieder zu den Docklands. Die 20 Grad im Schatten hatten lauter halbnackter Iren zur Folge, welche sich mitten in der Stadt sonnten, in Hafenbecken schwammen und von diversen Brücken voller Freude in den Liffey  sprangen. Das Ganze war so surreal, das ich ein paar Fotos machen musste, damit mir die Menschen glaubten, dass all das wirklich geschehen ist.
 
Meine Fotodatenbank zählt nun rund 2500 Bilder, die ich seit meiner Ankunft vor ungefähr acht Monaten gemacht habe. Mittlerweile sah ich so ziemlich alles was man vom Westen Irlands sehen konnte, kenne die Innenstadt Dublin quasi auswendig, und kenne recht viele Tagestouren, die in die Wicklow Mountains, Galway, Glendalough und ähnliches führen. Ich kenne mittlerweile nahezu jedes Museum und nahezu jede Sehenswürdigkeit in der Stadt und könnte prinzipiell als Busfahrer für Tagestouren arbeiten. Meine Zeit wurde auf jeden Fall nicht vergeudet.
 

Der irische Lebensgeist

An eines werde ich mich hier allerdings nie gewöhnen. Ich glaube man nennt es den „Irish Spirit“, oder auch den irischen Lebensgeist. Die Dinge locker zu sehen ist eine Sache, aber Wochen darauf zu warten, dass sich jemand einer kaputte Waschmaschine ansieht, dass der Vermieter seinen eigenen Vertrag nicht kennt und vergisst wann man ausziehen möchte und dass der Internet mysteriöse Gebühren berechnet wird für mich niemals normal werden. Zu sehr liebe ich da doch ab und an deutsche Organisation und Ordnung, dass ich mich daran gewöhnen könnte. Easy-Going ist schön und gut, aber wenn es immer wieder dazu dient meinen Geldbeutel zu leeren, ist auf die Dauer durchaus lästig. Um die Beispiele etwas zu verdeutlichen hier ein paar übersichtliche Stichpunkte um das irische Organisationstalent zu glorifizieren:
 
  • Vermieter: Vorausgegangen ist eine E-Mail, dass wir am 6. Juli ausziehen, worauf die Antwort kam, dass wir dann in diesem Zeitraum noch eine Wohnungsbegehung machen, damit sichergestellt wird, dass wir keine Fenster eingeschlagen oder Leichen im Gefrierschrank versteckt haben. Vor wenigen Tagen kam von einem der Vermieter die E-Mail, ob wir denn schon ausgezogen seien und von einem anderen ob wir denn planen auszuziehen.
  • Internetanbieter: Rechnung über 109 Euro, darin enthalten ein mysteriöser Punkt namens „Fatpipe Connection Charge“ (zu deutsch: Fettrohrverbindungsgebühr) über 50 Euro. Dazu kommt dann natürlich dann noch ein wenig Mehrwertsteuer mit läppischen 23 Prozent. Ein Monat Internet sollte eigentlich ursprünglich 35 Euro kosten. 

 

 
Ja solche Dinge lassen einen dann doch an der Menschheit zweifeln und werfen die Frage auf, ob es jemals Menschen in solchen Branchen hab die nicht im Sinne des Geldes, sondern im Sinne der Menschen gehandelt haben. Ich kritisiere hiermit öffentlich unsere Gesellschaft und den Kapitalismus. Und den Kommunismus, und den Faschismus und den Mussmus. Nur um politisch korrekt zu bleiben versteht sich.
 

Die Große Reise

Ja, und schon bald werde ich mich für eine paar Tage all dessen entsagen und meine große Reise antreten. Bewaffnet mit einem großen Rucksack, Zelt und Schlafsack werde ich in die Weiten Irlands aufbrechen und ausgiebige philosophische Diskussionen mit Schafen führen. Es werden ein paar Tage zur Selbstfindung in denen man all den üblichen Bedürfnissen den Rücken kehrt, und sich auf die Dinge fokussiert welchen man wirklich bedarf. Ich selbst bin ein wenig gespannt wie das Ganze ausgehen wird, und hoffe, dass ich am Ende noch meinen Rückflug ins geliebte Deutschland erwische.
 
Es wird natürlich ein ausführlicher Reisebericht über diese Tage voller Abenteuer und Freuden folgen, der wahrscheinlich in Monologe über alles Schlechte in der Welt ausartet. Und wenn ich es technisch realisieren kann gibt’s da sogar noch was audiovisuelles obendrauf – zumindest was Visuelles. Versprochen.
 
 
Ach ja und noch mal vielen Dank an dich. Ja du, der der das gerade liest, und sich diese ganzen Monologe anhört – das ist ja schließlich nicht selbstverständlich. Ich bin schließlich ja immer über den froh, dem ich ein wenig etwas von dem erzählen kann was ich hier so erlebe.
 

 

Und wie ihr auch wisst gibt es etwas häufigere Beiträge wie immer auf Fotostube, Tumblr und neuerdings bei Instagram. Man muss ja mit dem Trend gehen. Immer Hipp in Social Networks sein – kennt ihr ja selber. Und vielen Dank nochmal – ich werfe jetzt noch ein paar Bilder zwischen die Zeilen, damit dieser Buchstabenurwald etwas ansehnlicher wird.

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