Parcours über den Wolken

Blog, Reisen, Schottland, Unterwegs

Teil 2 – Das Felslabyrinth des Quiraing

Für alle Nachzügler, die den ersten Teil „The Lookout“ verpasst haben.

Ein Gastbeitrag von Max Schmidt | Pixelkeller

Kalt, nass und windig – drei Worte, die den September in Schottland mit erstaunlicher Präzision beschreiben.Dieser Gedanke schießt und in Dauerschleife durch den Kopf, als wir frierend dem Trauerzug der Autos hinter der nächsten Kurve verschwinden sehen.

Es dauert noch eine ganze Weile, bis das letzte Fahrzeug der Kolonne an uns vorbeifährt. Vor unseren herausgestreckten Daumen hält schließlich ein großer Hyundai-Kombi. Verglichen zu den Straßen ein ziemlich überdimensioniertes Fahrzeug. Von den Vordersitzen lächeln uns zwei schmächtige Asiatinnen entgegen. Wir werfen unsere Rucksäcke in den ungewöhnlich geräumigen Kofferraum und fahren los.An der Windschutzscheibe des Mietwagens hängt ein Navigationsgerät in Größe eines Tablets. Die Beifahrerin navigierte daneben mit einer Karte auf ihrem Smartphone.Es geht zehn Minuten geradeaus. Plötzlich eine abrupte Bremsung, die uns in die Sitze drückt.
Die zwei Damen wechselten einige schnelle Sätze in ihrer Sprache. Die Fahrerin wendet und fährt wieder zurück.Als die altbekannte rote Telefonzelle wieder in Sichtweite kommt dreht sich die Beifahrerin zu uns um. Es braucht nicht lange, bis wir feststellen dass die Beiden die Orientierung verloren haben. Wir raten ihnen, der einzig existierende Straße im diesen Abschnitt der Insel zu folgen, als sie auf einen Punkt am Display ihres Handys deutet. Diese würde sie an ihr Ziel bringen. Der Rest der Fahrt in Richtung Staffin verläuft in peinlicher Stille.

Back to the Roots – In Staffin wurde ein kleiner Verpflegungsstop eingelegt

In Staffin angekommen betreten wir einen kleinen Laden, um Proviant und Wasser zu besorgen. Die Flaschen und Dosen erschweren unsere Rucksäcke abermals um einige Kilogramm. Im Kampf gegen die Uhr geben wir unser Bestes für ein gepflegtes Äußeres, um die Erfolgschancen beim hitchhiken zu erhöhen. Leider sind diese Bemühungen vergebens. Also marschieren wir die Straße mit herausgestrecktem Daumen entlang. Als wir gerade an ein paar vereinzelte Häuser vorbeigehen, fährt hinter uns ein Geländewagen aus einer Einfahrt vor und hält neben uns an. Ein älteres Ehepaar winkt uns herbei. Nach wenigen Minuten erfahren wir, dass auch sie auf dem Weg zu einer Beerdigung seien. Trotz der makabren Situation fahren sie ungefragt einen Umweg über zwanzig Minuten. Wieder mal ein Beweis mehr für die Herzlichkeit und Freundlichkeit für die einheimische Bevölkerung.

Wir erreichen wieder den Aussichtspunkt, den wir schon den Tag zuvor besucht haben und endlich haben wir unser Tagesziel vor Augen – den Beginn des „Quiraing Walk“. Es ist bereits Mittag und vereinzelt kommen Wanderer von ihrer Tour zurück. Alle waren sie leicht beladen mit einem kleinen Tagesrucksack und vielleicht einer Regenjacke. Wir mustern uns gegenseitig. Etwas unrasiert, etwas ungeduscht und auf dem Rücken jeweils einen großen Rucksack. Ein kurzes nicken und wir gehen los. Ein schmaler Pfad, links die Berge, rechts das Tal, das sich in einem Küstensteifen verliert. Mal eine Kletterpassage über einen Wasserfall, der aus imposanten, schroffen Felsgebilden fließt, mal ein kleines Häschen, das bei unserem Anblick schnell Deckung sucht.

Eine kleine Kletterpartie schadet nie – Bis man auf eine Sackgasse stößt

Von Gordon, dem Hostelbesitzer aus Portree, haben wir einen Tipp bekommen. Am Weidezaun sollen wir nach links abbiegen. Das wäre der schnellste Weg auf das Aussichtsplateau, welches wir erreichen wollen. Nach einigen Metern steht nun ein Zaun vor uns und nach links den Hang hinauf kann man einen Trampelpfad zu erahnen. Es sieht zwar etwas steil aus, aber wir wollen ja auch nach oben. Ich gehe voran und klettere mühevoll zwischen Gesteinsbrocken den Hang hinauf. Das Wettern und Fluchen hinter mir ignoriere ich und laufe weiter, ein Geröllfeld hinauf, bis ich vor einer Felswand stehe. Schnell stelle ich fest, dass ohne etwas anspruchsvolleres Klettern kein Vorankommen möglich ist. Doch auch das sollte uns noch nicht aufhalten. Eine von Strapazen durchzogene viertel Stunde später soll es aber die Felsspalte, die sich zu unseren Füßen auftut. „Ich glaube das war der falsche Zaun“, lautet die bittere Devise der kleinen Kletterpartie. Inzwischen hat es auch wieder angefangen zu regnen. Auf den nassen Steinen erweist sich der Abstieg als komplizierter und riskanter als angenommen. Wir verlieren recht schnell den Grip auf dem Geröll und rutschen gezwungenermaßen den Hang hinunter. Umso erleichterter sind wir, als wir unbeschadet und ohne größere Verluste wieder den Hauptweg erreichen.

Der richtige Zaun und einige Zeit später

Gut eine matschige Stunde später erreichen wir einen Gebirgskamm, von welchem sich eine atemberaubende Aussicht darbietet. Am Gebirgskamm entlang verläuft ein Zaun, an dem sich ein deutlich zu erkennender Weg erstreckt, der auf das Plateau führt. Etwas amüsiert, aber auch etwas mehr genervt gehen wir weiter – immerhin stehen wir jetzt vor dem richtigen Zaun. Doch der Weg verliert sich bald in einer von vielen Rinnsalen durchzogenen, matschigen Wiese. Am höchsten Punkt angekommen werden wir allerdings reichlich belohnt. Wir stehen inmitten des riesigen Plateaus, das langsam vom hereinziehenden Nebel umhüllt wird.

Mit nassen Füßen überqueren wir die Ebene, bis es  an einem Hand wieder bergab geht. Unten ist bereits wieder der Parkplatz zu erkennen, von dem wir gestartet sind. Es trennt uns nur ein langer, steiler Abhang. Dieser stellt sich schnell als eine einzige Schlammschlacht heraus. Es dauerte gut eineinhalb durchregnete Stunden, in denen wir den Abhang queren. Jeder Schritt fühlt sich an, als ob er unsere Sprunggelenke verbiegt und unsere Schuhe flutet. Der Abgang gleicht mehr und mehr einem Minenfeld, durchzogen von matschigen Wasserlöchern. Doch all die Landungen auf dem Gesäß sind vergessen, als wir wieder unten ankommen, und wir uns ein heroisches High-Five auf dieses Erlebnis geben.

Auch das Wetter belohnt einen manchmal auf der Spitze des Berges

Aber der Wind macht sich an unseren, von Regen und Schweiß getränkten, Kleidern schnell bemerkbar. Wir ziehen unsere Jacken, Pullis und Shirts aus und werfen sie vor uns. Wieder zieht ein Schauer auf, und einmal mehr müssen wir uns neben trockenen Kleidern auch eine Mitfahrgelegenheit organisieren, während sich der Himmel verdunkelt.

Teil 3 – „The Cullin Hills“ folgt in Kürze

Mehr Bilder von Schottland bei Pixelkeller und Fotostube.
Hier geht’s zum Video über die Isle of Skye.

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