Der Landtagswahlblog – Voll ins Schwarze

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Die Landtagswahlen sind überstanden, und vor allem eine hat Grund zu Freude: Annegret-Kramp Karrenbauer. Mit über 40% der Stimmen lässt AKK die SPD und alle anderen weit hinter sich. Das Saarland möchte nach der gescheiterten Jamaika-Koalition wohl kein Reagenzglas für weitere Koalitionsversuche sein. Doch selten war die Wahl an der Saar so personenbezogen wie diese, und ließ die Programmatik der Parteien oft als Nebensächlichkeit zurück.

So geschah es, dass man fast schon amerikanische Verhältnisse bei der Landtagswahl vorfand – man war entweder für AKK oder eben für Rehlinger. Und das wurde auch durch all die Umfragewerte untermauert, die die kleinen Parteien, mit Ausnahme der Linken und dem Shootingstar Lafontaine an der Fünf-Prozent Hürde kratzen sahen.

Eben genau dieser Umstand führte zu einem heißen Wahlkampf im Schlussspurt – man lud die wichtigsten Personen der Bundespolitik ein, hatte gerade das Glück den politischen Aschermittwoch als Wahlkampfveranstaltung nutzen zu können, und stellte sich früh und spät vor saarländische Industriewerke um Werbeartikel zu verteilen. Es war ein leidenschaftlicher Wahlkampf ohne Schlammschlachten. Die wären auch schlecht vertretbar gewesen, immerhin teilten sich CDU und SPD die Regierung des Landes, und wollen es jetzt wieder tun.

Nach der Wahl haben nun alle möglichen Medien versucht alle möglichen Parallelen, Ableitungen, Lehren und Hinweise zur kommen Bundestagswahl festzustellen. Doch diese Ideen sind häufig nicht zu Ende gedacht, denn es gibt einiges zu beachten, bevor man aus den Landtagswahlen einen Bundeswahltrend ableiten will. Die größten Fehlinterpretationen der Medien im Nachgang:

Ersten gilt es schlichtweg die Größe des Saarlandes zu beachten. Im Saarland leben von den ca. 61,5 Millionen gerade einmal 800.000 Wahlberechtigte. Das sind etwas um die sieben Prozent. Daraus einen Stimmungsbarometer ableiten zu wollen, lässt sogar die ohnehin schon verzweifelten Meinungsforscher noch mehr verzweifeln.

Zweitens: AKK und Merkel haben außer ihrer Parteizugehörigkeit recht wenig gemeinsam, denn AKK ist alles andere als eine „Mini-Merkel“ (Bild). Annegret Kramp-Karrenbauer ist eine Vertreterin der klaren Worte, ist aktiv in den Türkei-Konflikt eingetreten und plant Dinge statt von Plänen zu reden. Sie predigt keine Politik des Aussitzens, sondern betreibt konservative Durchgriffspolitik.

Drittens: Der Schulzeffekt sei verpufft, und nicht mehr als eine sozialdemokratische Wahlkampffloskel. Es grenzte schon ein wenig an Lächerlichkeit, als Martin Schulz den Saarländer in sich entdeckte und zwei Wochen später wieder von seiner Zeit als Würselener Bürgermeister sprach – aber es war schließlich Wahlkampf, da darf man sich das erlauben. Doch Schulz bleibt weiterhin beliebt, was sich vor allem in den kommenden Landtagswahlen noch zeigen wird. Denn in NRW hat er im Gegensatz zum kleinen Saarland ein Heimspiel, und die Karten stehen gut, dass der Schulzug dort ähnliche Ergebnisse für die SPD einfahren wird, so wie AKK für die CDU an der Saar.

Was die Wahl im Saarland allerdings auch gezeigt hat, ist wie knapp das Land an Rot-Rot-Grün vorbeigeschlittert ist. Am Ende fehlten den Grünen nur ein Prozent um in den Landtag einzuziehen und eine mögliche Koalition mit den Linken und der SPD zu sondieren. Doch letztlich verhinderte eine ordentliche Portion AKK-Charisma ein neues Experiment an der Saar, und ließ gleichzeitig Lafontaines Traum vom Regieren gleich mit platzen.

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