Der Jahresrückblick 2018

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Das morbide Gesicht der Wälder, der weiße Schimmer, der über den kargen Baumkronen liegt, regt doch immer wieder zu Ende des Jahres dazu an ein wenig innezuhalten und das Jahr zu resümieren. Ein blasser Ausschnitt dessen, was die letzen 365 Tage im Gedächtnis hängen blieb, von Freude und Trauer, vom Erfolg und Scheitern. Und je älter man wird, desto mehr muss man nachdenken, ob dieses und jenes denn im letzten Jahr passiert ist oder doch schon wieder drei Jahre her ist.

Georgian roof battens

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The last glimmer of sunshine lies above the cobbled street, which is surrounded by more or less decaying buildings. The roadsides are lined with cows and sheeps, here and there is a shepherd, old women look down from their wooden balconies. A man breaks up fragile roof battens in front of his house by using the channel grate of the street as a lever. He calls us and asks if we want to use his toilet in the garden. We end up in his four-meter-deep cellar.

Georgische Dachlatten

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Der letzte Sonnenschimmer liegt über der gepflasterten Straße, die von mehr oder minder verfallenden Gebäuden umringt wird. Die Wegränder sind gesäumt von Kühen und Schafen, hier und dort findet sich ein Schäfer, alte Frauen schauen stutzig von ihren Holzbalkonen herab. Ein Mann zerlegt vor seinem Haus brüchige Dachlatten, indem er den Kanalrost in seiner Straße als Hebel benutzt. Er ruft uns herbei und fragt ob wir seine Toilette im Garten benutzen wollen. Wir enden in seinem vier Meter tiefen Keller.

Die politische Verwirrtheit des 21. Jahrhunderts

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Einen Überblick über die politische Landschaft in Deutschland zu behalten ist nicht ganz einfach, aber möglich. Einen Überblick über die europäische politische Landschaft zu wahren ist nahezu unmöglich. Die Spektren und Strömungen verschwimmen, es wird immer schwieriger richtig und falsch sauber zu trennen. Nachrichten von Entscheidungen, die gut und schlecht sind regnen durch die Nachrichtenkanäle und Sozialen Medien nur so in die Köpfe der Menschen. Es wird Zeit den See, der sich im Kopf angesammelt hat, ein wenig zu ordnen.

Nacht der Kirchen in Hamburg – Zwischen Dur und Moll

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Man ist überrascht, wenn man erfährt, was sich in manchen Gebäude  Hamburgs verbirgt. Zwischen den hohen Türmen des Michels oder des Nikolai-Mahnmals finden sich kleine  Kirchen, die einiges zu bieten haben. Ein Besuch bei fremdsprachigen Gemeinden in der Nacht der Kirchen.

Der Bundestagwahlbog 2017 #4 – Thema: Mobilität

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Ein Thema an dem viel vor dieser Wahl hängt, ist die Frage nach der zukünftigen Fortbewegung der Menschen. Dieselaffäre und Klimawandel scheinen so etwas wie einen Funken von Bewusstsein bei den Menschen geweckt zu haben. Die Grünen machen die Neuzulassung emissionsfreier PKW bis 2030 sogar zur Koalitionsbedingung. Doch es braucht mehr als ein Verbot von Emissionen, es braucht ein viel tiefgreifenderes Umdenken.

Der Bundestagwahlbog 2017 #3 – Eiserne Mutti vs. Gottkanzler Europas

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Es soll die vierte Amtszeit für Angela Merkel werden – man kennt sie, sie scheint schon immer da, und junge Leute können sich vielleicht noch an die Zeiten vor ihr erinnern, als Gerhard Schröder noch mit seinem Lachen im Biergarten glänzen konnte. Merkel ist die personifizierte Geduld, aber immer bereit sich auch neuen zu öffnen. Beispielsweise dem Neuland, mit all seinen Herausforderungen wie 360°-Kameras

Der Bundestagwahlbog 2017 #2 – Debattenkultur statt Informationskultur?

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Ein grundsätzliches Problem des deutschen Wahlkampfes liegt neben den Kandidaten und Parteien vor allem auch vor allem bei den Medien. Vor allem ein Großteil des öffentlichen Rundfunkes setzt hier auf eine unfruchtbare Debattenkultur statt auf eine fruchtbare Informationskultur, die seinen Zuschauern Hintergrundwissen vermittelt statt sie mit politischen Meinungen der Parteien zu bombardieren. Der krampfhafte Versuch Sendungen wie das Kanzlerduell oder den sogenannten Fünfkampf in ein Unterhaltungsformat pressen zu wollen verfehlt den Auftrag einer Vermittlung eines Fundamentes von Wissen, das zur Bildung der eigenen Meinung heute notwendiger denn je scheint.

Der Bundestagwahlbog 2017 #1 – Die Ruhe ohne Sturm

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Die anstehende Bundestagswahl scheint schon entschieden, es verhält sich ein wenig wie mit den letzten Tagen der Bundesliga. Der Sieger steht fest, die unteren Ränge haben zu bangen. Während Merkel anscheinend nicht von ihrem eisernen Thron zu stürzen ist, an dem sich Martin Schulz die vergangenen Monate die Zähne ausbeißt, ist die AfD damit beschäftigt sich selbst zu zerfleischen. Die Grünen sind auf der Suche nach einem Fünkchen Umweltpolitik, während die Linken wieder erfolgreich daran arbeiten in der Opposition zu bleiben. Bei der FDP erhebt sich die rhetorische Lichtgestalt des Christian Lindner, der mit seinen Wahlplakaten Gefahr läuft als Lobbyist für H&M abgestempelt zu werden.

Zwischenruf auf Hamburg #1 – Das Elend der Großstadt

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Auf meinem heutigen Heimweg werde ich nach den zahllosen Treppenstufen an der Hafenstraße von einer jungen Frau angehalten. Ich muss erst einmal bremsen, denn ich bin die Treppe in alter Rocky Balboa Manier hinauf gesprintet. Sie fragt mich ob ich ein Foto von ihr und ihrer Frauengruppe machen könne und drückt mir ihr iPhone 6 in die Hand. Da mein Handy momentan in Trümmern liegt, überlege ich mir ob ich kehrt machen soll, und damit wegrenne.  Doch bevor ich meinen Gedankengang beende stellt sich mir der St. Pauli Nachtwächter vor, den die jungen Frau ebenfalls für das Foto genötigt haben.

„Ich bin der Nachtwächter, bist du auch Kiezianer“?, fragt der alte Mann in einer Mischung aus Wachdienst- und Kapitänsuniform mich. Ich entgegne ihm, dass ich erst vor einer Woche zugezogen bin, die Frauen waren wieder schnell interessanter für ihn. Er wankt mit einer Laterne in der Hand zu ihnen, und macht sich für das Foto bereit. Es regnet, also beeile ich mich ein wenig mit dem spontanen Shooting. Der Nachtwächter witzelt schon über sein Honorar. „20 Euro macht das dann“, sagt er mit feinsten norddeutschen Akzent. Hamburg ist voller guter Seelen denke ich mir, doch mein weiterer Weg führt über die berüchtigte Sündenmeile Hamburgs.

Der nahezu unregelmäßiger Gang über die Reeperbahn ist immer eine ständige Erinnerung an das Leid, das Menschen widerfahren kann. Bei allen guten Seelen der Stadt schwirren auch einige verlorene umehr. An einem Nachmittag beispielsweise kommt mir ein sichtlich gezeichneter Mann entgegen, der vor sich her murmelt. Er schüttelt den Kopf, schleudert plötzlich die Tüte Pommes, die er in der Hand hält auf den Boden, spuckt ihr drei mal hinterher. Ich schaue bedächtig vor mich und gehe an ihm vorbei.

Heute morgen auf meinem Weg zur Arbeit zucke ich am Spielbudenplatz zusammen. Eine Frau liegt auf einer Treppe, sie trägt Kopfhörer, Sonnenbrille und Kapuze. Sie windet sich über die Stufen, und schreit in einem 30 Sekunden Turnus, sodass es ein Echo von der gegenüberliegenden Straßenseite gibt. Doch das geht schnell im Geheul der Polizeisirenen unter. Ich richte meinen Blick weiter nach vorne, ich muss schließlich zur Arbeit.

Die tägliche Konfrontation damit, welch Elend die Menschen trifft, wie sie sich in der Spirale des vermeintlich Ausweglosen drehen lässt einen abstumpfen. Man versteckt sich hinter der Anonymität der Großstadt, man sieht weg, geht weiter. Die Gräben scheinen zu tief, das man sie überwinden könnte. Doch dann gehe ich Richtung Bahnhof, dem Sammelbeckens derer, die es verlernt haben sich selbst helfen zu können. Eine Frau hält mit ihrem Wagen auf einem Parkplatz davor. Ihr Kofferraum ist bis zum Dach mit Brötchen gefüllt. Ihr kleiner Sohn hilft ihr dabei das nötigste an eine Gruppe Obdachlose zu verteilen. Schon nach einer Tüte Brötchen antwortet einer von ihnen der Frau: „Danke, aber mehr können wir nicht nehmen.“ Eine gute Seele traf eine verlorene.